Wie sicher sind Verhütungspflaster?
Verhütung ist für viele Paare ein Thema, das auch mal neu überdacht werden sollte. Denn Lebensphasen und Prioritäten verändern sich. Neben klassischen Methoden wie Pille oder Kondom gibt es inzwischen eine Reihe moderner Alternativen, die mehr Flexibilität versprechen. Dazu zählt auch das Verhütungspflaster. Es wird nur einmal pro Woche gewechselt und soll dennoch zuverlässig vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen.
Was ist ein Verhütungspflaster und wie wirkt es?
Ein Verhütungspflaster ist eine hormonelle Methode zur Empfängnisverhütung. Ein dünnes, hautfarbenes Pflaster wird auf die Haut geklebt und gibt kontinuierlich Hormone ab. So gelangen Östrogen und Gestagen in den Blutkreislauf. Die Hormone verhindern den Eisprung, verdicken den Schleim im Gebärmutterhals und erschweren so das Eindringen von Spermien. Zusätzlich wird die Gebärmutterschleimhaut so verändert, dass sich eine möglicherweise trotzdem befruchtete Eizelle kaum einnisten kann. Angewendet wird das Pflaster in einem festen Rhythmus: Drei Wochen lang wird einmal pro Woche ein neues Pflaster aufgeklebt, in der vierten Woche folgt eine Pause. Geeignete Klebestellen sind zum Beispiel Bauch, Po oder Oberarm.
Wie sicher sind Verhütungspflaster?
Die Sicherheit von Verhütungsmethoden wird mit dem Pearl-Index angegeben. Er beschreibt, wie viele von 100 Frauen innerhalb eines Jahres trotz Anwendung einer Methode schwanger werden. Für Verhütungspflaster liegt dieser Wert in einem ähnlichen Bereich wie bei der kombinierten Antibabypille und ist mit 0,1–0,9 sehr zuverlässig. Die tatsächliche Sicherheit hängt aber davon ab, wie das Pflaster verwendet wird. Wird es pünktlich gewechselt und haftet es gut auf der Haut, ist der Schutz hoch. Löst sich das Pflaster unbemerkt oder wird der Wechsel vergessen, kann die Wirkung nachlassen. Bei starkem Schwitzen, intensiver körperlicher Aktivität oder heißem Baden kann sich das Pflaster eher lösen. Wie bei allen hormonellen Methoden gilt: Je sorgfältiger die Anwendung, desto sicherer der Schutz.
Die Vor- und Nachteile
Ein großer Vorteil ist die unkomplizierte Anwendung: Man wechselt das Pflaster nur einmal pro Woche, die Hormone werden gleichmäßig über die Haut abgegeben. Durchfall oder Erbrechen beeinflussen den Schutz also nicht. Mögliche Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei der Pille: Spannungsgefühle in der Brust, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Stimmungsschwankungen. Auch Hautreaktionen an der Klebestelle sind möglich. Zudem besteht – wie bei allen östrogenhaltigen Verhütungsmitteln – ein leicht erhöhtes Risiko für Thrombosen. Die in Deutschland zugelassenen Verhütungspflaster enthalten eine festgelegte Kombination aus Östrogen und Gestagen. Anders als bei der Antibabypille kann man die Dosierung nicht individuell anpassen.
Für wen sind Verhütungspflaster geeignet – und für wen eher nicht?
Verhütungspflaster können eine gute Option für Frauen sein, die sich eine einfache und zuverlässige Methode wünschen und den wöchentlichen Wechsel gut in ihren Alltag integrieren können. Auch für Frauen, die Probleme mit der Pille hatten, etwa durch Magen-Darm-Beschwerden, kann das Pflaster eine Alternative sein. Starkes Übergewicht kann dagegen die Wirksamkeit einschränken. Bei Vorerkrankungen wie einem erhöhten Thromboserisiko, Lebererkrankungen oder hormonabhängigen Erkrankungen, sollte auf östrogenhaltige Verhütungsmittel verzichtet werden. Raucherinnen über 35 Jahren wird ebenfalls häufig von kombinierten hormonellen Methoden abgeraten. Eine persönliche Beratung beim Gynäkologen ist daher sehr wichtig.
Und wann kommt die Pille für den Mann?
Prof. Dr. rer. nat. Stefan Schlatt ist Universitätsprofessor und Direktor am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie/Institut für Reproduktions- und Regenerationsbiologie an der Universität Münster. Wir fragten ihn, wie es – neben dem Kondom – mit Verhütungsmitteln für den Mann steht. Hier seine Antwort: „Zurzeit ist das Thema Verhütung beim Mann sehr spannend – es gibt viele Förderungen, die viele Forschungsgelder für neue Ansätze bereitstellen. Meine Prognose: Die Verhütungsmethoden für den Mann werden in den nächsten Jahren sehr vielfältig und bunter werden. Ich schätze, dass fünf bis sechs unterschiedliche Methoden auftauchen, von denen sich dann ein bis zwei langfristig durchsetzen. Neben unserer wissenschaftlichen Seite spielt natürlich auch immer die gesellschaftliche Akzeptanz eine große Rolle.“
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