Typ-2-Diabetes
Ein Routine-Bluttest beim Hausarzt, ein auffälliger Wert, ein unerwartet ernstes Gespräch: Für die meisten Menschen kommt die Diagnose Typ-2-Diabetes überraschend. Über neun Millionen Menschen in Deutschland leben mit der Stoffwechselerkrankung, bei schätzungsweise weiteren zwei Millionen wurde der Diabetes noch nicht entdeckt. Jedes Jahr kommen etwa 500.000 Neuerkrankte hinzu. Wer die Diagnose frisch erhalten hat, steht vor vielen Fragen: Muss ich jetzt Tabletten nehmen? Ändert sich mein ganzes Leben? Ein Überblick über die wichtigsten Schritte der Behandlung.
Typ-2-Diabetes ist eine chronische und bislang nicht heilbare Erkrankung. Sie entsteht, wenn die Körperzellen nicht mehr ausreichend auf Insulin reagieren. Das Hormon Insulin sorgt dafür, dass Traubenzucker (Glukose) in die Körperzellen gelangt. Wirkt es nicht richtig, kann die Glukose schlechter aus dem Blut in die Zellen gelangen, der Blutzuckerspiegel steigt. Hinter Typ-2-Diabetes steckt zum einen eine erbliche Veranlagung. Auch Faktoren wie Übergewicht, wenig Bewegung und eine ungünstige Ernährungsweise können die Entstehung begünstigen.
Von Typ-2-Diabetes sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c über 6,5 Prozent bzw. 48 Millimol pro Mol liegt oder wiederholt ein Nüchtern-Blutzucker über 126 Milligramm pro Deziliter bzw. 7,0 Millimol pro Liter gemessen wird. Da sich die Erkrankung von Mensch zu Mensch unterschiedlich entwickeln kann, wird die Behandlung stärker als früher an den individuellen Risiken und Bedürfnissen ausgerichtet. „Ganz wichtig: Erst die Diagnose, dann die Therapie“, sagt Dr. Meinolf Behrens, Diabetologe sowie Sport- und Ernährungsmediziner aus Minden.
Diabetes kommt selten allein
Nach der Diagnose folgt unter anderem ein Gespräch über Begleiterkrankungen. Bei Typ-2-Diabetes sind häufig auch Körpergewicht, Blutdruck und Blutfette erhöht. „Der Diabetes kommt selten allein“, sagt Behrens. Hinzu kommt: Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie betroffen sind. „Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland wissen nicht, dass sie Typ-2-Diabetes haben“, so der Diabetologe weiter. Dabei sollte man die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen: Ohne geeignete Behandlung kann Typ-2-Diabetes beispielsweise zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schäden an der Netzhaut der Augen, den Nieren und den Nerven führen. Auch das Risiko für Depressionen und andere psychische Belastungen ist bei Menschen mit Diabetes erhöht. Im Schnitt verkürzt Diabetes die Lebenserwartung um mehrere Jahre gegenüber gleichaltrigen Menschen ohne die Erkrankung – vor allem wegen solcher Folgeerkrankungen.
Diabetes-Schulung
Umso wichtiger sind Blutzuckerwerte, die nahe am Bereich von Gesunden liegen. Als Zielkorridor gilt für die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes ein HbA1c-Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent, aber er kann individuell auch davon abweichen. „Der HbA1c-Wert ist das Glukose-Langzeit-Gedächtnis“, erklärt Behrens: Er zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen acht bis zwölf Wochen und wird meist alle drei bis sechs Monate per Blutentnahme bestimmt. Welcher Wert individuell angestrebt wird, hängt unter anderem vom Alter, Begleiterkrankungen, dem Risiko für Unterzuckerungen und der persönlichen Situation ab.
Ergänzend messen viele Betroffene ihren Blutzucker selbst mit Teststreifen oder ihre Zuckerwerte im Unterhautfettgewebe mit einem Sensor, der die Werte kontinuierlich misst und als Glukosekurve darstellt. So lässt sich erkennen, wie Ernährung, Bewegung und Medikamente die Zuckerwerte beeinflussen. Ob die Krankenkasse die Kosten für Blutzucker- oder Gewebezuckermessungen übernimmt, ist im Einzelfall zu klären. Je mehr Menschen mit Diabetes über ihre Erkrankung wissen, desto besser können sie im Alltag damit umgehen. „Eine Diabetes-Schulung zu Beginn macht unbedingt Sinn“, meint Behrens. Dabei lernen Betroffene, Blutzuckerwerte einzuordnen, Mahlzeiten zu planen und mit Medikamenten sicher umzugehen. Dabei geht es auch um den persönlichen Alltag: „Es lohnt ein Blick aufs Ernährungs- und Bewegungsverhalten“, sagt Behrens.
Ernährung, Bewegung, Medikamente Ganz wichtig:
Ein generelles Verbot einzelner Lebensmittel gibt es nicht. Essen soll weiterhin Freude machen! Entscheidend sind Qualität und Menge der Nahrung – und dass die Ernährungsweise dauerhaft zum eigenen Alltag passt. Eine Möglichkeit für eine gesunde Ernährungsweise ist die mediterrane Kost: viel Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, dazu Obst, Nüsse sowie pflanzliche Öle und Fisch – und lieber Geflügel anstelle von rotem Fleisch und Wurst. Neben der Ernährung ist auch Bewegung besonders wichtig. Denn Muskelaktivität verbrennt nicht nur Kalorien, sondern senkt auch die Blutzuckerwerte und verbessert die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen. Als Richtwert gelten mindestens 150 Minuten Bewegung mittlerer Intensität pro Woche. Dazu gehören beispielsweise zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Ergänzend ist Krafttraining sinnvoll, um Muskulatur aufzubauen und zu erhalten. Aber keine Sorge: Wer bisher kaum aktiv war, muss dabei nicht sofort auf 150 Minuten kommen – jede zusätzliche Bewegung ist ein guter Anfang. Reichen Ernährungsumstellung und Bewegung nicht aus, kommen Medikamente ins Spiel – von Tabletten und Spritzen bis hin zu Insulin.
Welche Arzneimittel infrage kommen, hängt heute nicht allein vom Blutzucker ab. Auch Körpergewicht, Herz-Kreislauf-Risiko, Nierenfunktion und andere Begleiterkrankungen spielen eine wichtige Rolle. „Metformin ist der Klassiker der Diabetes-Therapie“, sagt Behrens. Der Wirkstoff senkt den Blutzucker und wirkt sich meist positiv auf das Gewicht aus. Weitere Wirkstoffgruppen, die seit einigen Jahren die Palette erweitern, können sich zusätzlich günstig auf Gewicht, Herz-Kreislauf-System und Nieren auswirken. Dazu gehören zum Beispiel SGLT-2-Hemmer und Nachahmer von Darmhormonen (GLP-1- und GLP-1-/GIP-Rezeptoragonisten). Reicht die Behandlung nicht aus oder liegt ein ausgeprägter Insulinmangel vor, kann eine Insulintherapie notwendig werden. „Begonnen wird in der Regel mit der einmal täglichen Gabe eines Basalinsulins“, erklärt Behrens. Je nach Bedarf kommt später auch ein Insulin zu den Mahlzeiten hinzu. Verabreicht wird Insulin meist über einen Pen. Insulinpumpen sind bei Typ-2-Diabetes zwar deutlich seltener als bei Typ-1-Diabetes, können in Einzelfällen aber ebenfalls eingesetzt werden.
Die gute Nachricht:
Die Diagnose Typ-2-Diabetes bedeutet nicht automatisch ein Leben voller Einschränkungen. Mit der passenden Therapie, einem angepassten Lebensstil und regelmäßigen Kontrollen können Betroffene heute ein aktives und erfülltes Leben führen. Wichtig ist, dranzubleiben: an Ernährung, Bewegung und Kontrollterminen. Auch das Team der Guten-Tag-Apotheken unterstützt dabei gerne – etwa mit Beratung zu Medikamenten, Blutzuckermessgeräten oder der richtigen Anwendung von Insulinpens.
Mehr wissen, besser verstehen
Der vorliegende Artikel wurde von der Redaktion „Diabetes Anker“ der MedTriX Deutschland exklusiv für MEIN TAG verfasst. Wer sich weiter mit dem Thema Typ-2-Diabetes beschäftigen möchte – oder auch dem zwar seltener auftretenden, aber das Leben genauso beeinflussenden Typ-1-Diabetes –, wird beim Diabetes-Anker fündig: Das Online-Portal diabetes-anker.de und die sechs Mal jährlich erscheinende Zeitschrift bieten fundierte Beiträge zu Ernährung, Bewegung, Behandlung und Technik – verständlich aufbereitet für Menschen mit Diabetes und deren Angehörige. Im „Diabetes-Anker Podcast“ kommen regelmäßig Ärztinnen, Ärzte und andere Fachleute zu Wort, im Podcast-Format „Höhen & Tiefen“ erzählen Menschen mit Diabetes von ihrem Alltag mit der Erkrankung.
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