Machen wir im Urlaub falsch
Im Durchschnitt urlauben die Deutschen 13 Tage am Stück. Was ja auch sehr angenehm ist – man hat seinen Urlaubsort kennengelernt und die Anreise war womöglich auch lang. Da möchte man schon möglichst zwei Wochen vor Ort genießen. Aber: „Der Erholungseffekt eines langen Urlaubs verpufft schon nach wenigen Tagen“, erklärt der Psychologe Prof. Dr. Nikolai Egold von der Hochschule Fresenius in Frankfurt. „Zwar lässt es sich im Urlaub gut abschalten, doch danach hadern die Menschen wieder mit dem gleichen Stresspegel wie vorher.“
Das Post-Holiday-Syndrom
Vom lässigen Nichtstun im Paradies zurück an den Arbeitsplatz, an dem ein Haufen liegengebliebener Aufgaben einen begrüßt – nach einer längeren Urlaubsidylle kann das zum sogenannten „Post-Holiday-Syndrom“ führen. Man ist genervt, frustriert, deprimiert und verspürt sogar oft mehr Druck als vor der Reise. Das Schlimmste: Der nächste Urlaub liegt dann in ganz weiter Ferne… Der Vorteil von Kurzurlauben dagegen: Man kann sich öfter einen gönnen. Und verbringt man nur ein Wochenende woanders, müssen noch nicht mal freie Tage beim Chef eingereicht werden.
Die Entspannung in den Alltag tragen
„Ein Souvenir kann das Urlaubsgefühl ebenso wachhalten wie ein leckeres Rezept aus dem Urlaubsort“, sagt Egold. „Solche Hinweisreize sind mit positiven Erinnerungen verknüpft, sie versetzen uns in gute Laune.“ Auch ein Urlaubsfoto als Bildschirmhintergrund auf dem Handy kann im Alltag für kleine Erinnerungs- und damit Glücksmomente sorgen. Besonders eng mit unseren Erinnerungen verknüpft ist übrigens der Geruchssinn. Die entsprechenden Nervenbahnen liegen im Gehirn ganz nah beim Gedächtniszentrum, dem Hippocampus. Deshalb können Düfte wie Lavendel, Sonnencreme oder salzige Meeresluft besonders gut die Erinnerung an das Gefühl vom letzten Urlaub wecken.
Wegen der Vorfreude
Wissenschaftlich gesehen sind häufigere Kurzurlaube die bessere Wahl für Erholung und Gemüt. „Zur effektiven Senkung des Stresslevels empfehlen sich mehrere kurze Urlaube pro Jahr“, erklärt Professor Egold. „Dahinter steckt ein psychologisch wirksamer Mechanismus: die Antizipation. Schon vor der Reise steigert sich das Wohlbefinden, weil sich Menschen mit ihrem Urlaub beschäftigen. Dieses Planen macht glücklich“, sagt der Wissenschaftler. Und wie schön ist es, wenn man zurück im Alltag schon weiß: In ein paar Wochen geht es wieder los!
Den Übergang sanft gestalten
Ein Urlaub wirkt oft besonders intensiv, weil er einen starken Kontrast zum Alltag bildet. Doch genau dieser abrupte Wechsel kann dazu führen, dass die Erholung schnell wieder verpufft. Umso wichtiger sind sanfte Übergänge: Wer schon vor der Abreise etwas Tempo aus dem Alltag nimmt, startet mit weniger Stress in die Auszeit. Was manchen wie ein verschwendeter Urlaubstag zu Hause vorkommt, kann die Qualität der eigentlichen Auszeit deutlich steigern. Einfach weil man mehr Zeit hat, sich auf die Reise zu freuen und letzte Dinge noch in Ruhe erledigen kann. Vielleicht gönnen Sie sich am Abend vor der Abfahrt schon mal eine Wellnesszeit mit Badewanne, Gesichtsmaske und Maniküre? Oder kochen ein typisches Gericht aus der Urlaubsregion und genießen es mit passender Musik? Auch eine Reisereportage im Fernsehen oder das Stöbern in einem Reiseführer können die Vorfreude ordentlich ankurbeln.
Das Leisure-Sickness-Syndrom
Viele Menschen werden übrigens ausgerechnet im Urlaub krank, weil der Körper vorher lange unter Anspannung stand. Während stressiger Phasen schüttet der Organismus vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus – sie halten uns leistungsfähig, wirken aber gleichzeitig auf das Immunsystem. Sobald im Urlaub die Anspannung nachlässt, fährt der Körper herunter – und Infekte, die zuvor „unterdrückt“ wurden, können sich bemerkbar machen. Dieses Phänomen wird auch als „Leisure Sickness“ bezeichnet. Ein bewusstes Herunterfahren schon vor der Reise kann helfen, dies zu verhindern und sich im Urlaub rundum wohlzufühlen. Was auch wiederum für Kurzurlaube spricht: Ist man nicht ganz so lange vom Arbeitsplatz weg, muss auch nicht so viel vorbereitet werden. Die Anspannung und der erhöhte Stress vor den freien Tagen sind deutlich geringer.
Neues auszuprobieren weckt den Geist
Gerade im Urlaub bietet sich die Gelegenheit, Aktivitäten auszuprobieren, für die im Alltag oft keine Zeit oder Gelegenheit ist. Viele Hotels bieten Sportarten wie Yoga, Bogenschießen, Kanufahren oder Stand-up-Paddling an. Wenig Aufwand braucht eine Wanderung, eine Radtour oder eine morgendliche Runde Schwimmen. Wer draußen aktiv ist, erlebt die Umgebung intensiver, und die Natur hat nachweislich eine beruhigende Wirkung auf Körper und Seele. Schon der Blick ins Grün, frische Luft und das Gefühl, sich frei zu bewegen, können die Stimmung heben und das Wohlbefinden steigern. So wird Bewegung im Urlaub ganz nebenbei zu einem echten Glücksverstärker – und dafür reicht schon ein Wochenende in neuer Umgebung.
Gut für sich sorgen
Im Urlaub darf man sich natürlich auch einmal etwas gönnen – ein besonderes Dessert oder ein zweites Glas Wein am Abend gehören für viele einfach dazu. Doch wer am Buffet oder an der Bar regelmäßig zu viel nachlegt, fühlt sich schnell körperlich unwohl. Sehr reichhaltiges Essen und viel Alkohol können den Schlaf stören und Verdauungsbeschwerden oder Kopfschmerzen begünstigen – darauf kann man in den Ferien gut verzichten. Besser ist es, bewusst zu genießen und auf die eigenen Signale zu achten. Sollte eine ungewohnte Speise doch einmal auf den Magen schlagen, helfen bewährte Mittel aus der Reiseapotheke. Welche Präparate sinnvoll sind, erklärt Ihnen Ihre Apotheke gern.
Die gute Stimmung in den Alltag retten
„Sich großartig zu fühlen ist Übungssache!“ Denn unsere Stimmung hängt auch von der eigenen Haltung ab. Viele Menschen fallen nach dem Urlaub erst einmal in ein kleines Stimmungstief: Die Arbeit wartet, der Haushalt auch – und plötzlich sind die Sorgen des Alltags wieder da. Erkennen Sie diese Miesepeter-Falle rechtzeitig und entscheiden Sie sich bewusst für gute Stimmung. Planen Sie auch für den Tag nach der Rückkehr etwas ein, worauf Sie sich freuen können. So bleibt ein Stück Feriengefühl erhalten – auch wenn der Alltag längst wieder begonnen hat.
Bewegung tut immer gut
Auch wenn das entspannte Faulenzen herrlich ist – ganz ohne Bewegung fühlt sich der Körper auch im Urlaub oft weniger wohl. Schon kleine Aktivitäten können viel bewirken: ein Spaziergang am Strand, eine Runde durch den Ort oder ein kurzer Ausflug ins Grüne. Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung, unterstützt die Verdauung und hilft vielen Menschen, abends besser einzuschlafen. Gleichzeitig wirkt sie ausgleichend auf den Geist und schafft Raum, um all die fremden Eindrücke bewusster wahrzunehmen.
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