Die wichtigste Mahlzeit des Tages
„Frühstücken wie ein König, Mittagessen wie ein Bauer und Abendbrot wie ein Bettler“, heißt es. Aber Appetit hat so früh nicht jeder. Sollte man trotzdem nach dem Aufstehen frühstücken? Oder darf man auch erst am späten Vormittag ein Müsli weglöffeln oder in ein Käsebrot beißen? Lesen Sie, ob der Zeitpunkt der ersten Mahlzeit wirklich so entscheidend ist und auf welche Zutaten es ankommt.
Wissenschaftler sind sich uneins in der Frage, ob Frühstücken gesund ist oder nicht. Manche argumentieren mit unserer Biologie: Schließlich mussten die Steinzeitmenschen morgens erst einmal jagen oder Beeren sammeln, um eine Mahlzeit zu bekommen. Was diese These stützt: Heute noch ist der Blutzuckerspiegel nach dem Aufwachen hoch genug, um aktiv in den Tag zu starten. Doch Studien zeigen, dass Diabetes, verstopfte Arterien und vor allem Übergewicht häufiger bei Personen vorkommen, die auf ihr Frühstück verzichten. Dr. Anne Fleck, Ernährungsexpertin und Internistin aus Hamburg, erklärt, woran das liegen kann: „In den morgendlichen Stunden werden Botenstoffe und Hormone gebildet, die zum Beispiel auch die Schilddrüse braucht, um effektiv arbeiten zu können“, erklärt sie.
Schilddrüsenprobleme wirken sich auf den Stoffwechsel aus und können das Abnehmen erschweren. Zudem stabilisiert ein ausgewogenes Frühstück den Blutzuckerspiegel, was vor späteren Heißhungerattacken schützt. Beispiel: Wer um 8 Uhr Quark mit Haferflocken und Obst gegessen hat, kann gegen 11 Uhr einem Schokocroissant besser widerstehen als jemand, dem der Magen knurrt.
Wer wächst, sollte frühstücken
Für Kinder und Heranwachsende ist eine morgendliche Mahlzeit wichtig – zumindest da sind sich Forscher einig. Kinder bewegen sich viel und benötigen daher Kalorien für einen guten Start in den Tag. Eine schwedische Langzeitstudie zeigt, dass Kinder und Jugendliche ohne regelmäßiges Frühstück als Erwachsene häufiger an Übergewicht leiden. Das bestätigt eine amerikanische Studie, in der 2.200 Schüler fünf Jahre lang untersucht wurden. Das Ergebnis: Die Frühstücker blieben schlanker. Interessant ist, dass es bei dieser Frage einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt. Während Männer oft auch gut ohne Nahrung in den Tag starten, kann sich das bei Frauen negativ auswirken. „Frauen ab 40 Jahren geraten bei Hunger unter Stress“, sagt die australische Ernährungsexpertin und Sportphysiologin Dr. Stacy Sims. Sie empfiehlt daher, innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufstehen zumindest eine kleine Portion Protein und etwas Kohlenhydrate zu sich zu nehmen.
Wichtiger als das Wann ist das
Was Für die meisten Wissenschaftler ist – zumindest mit Blick auf Erwachsene – die Frage wichtiger, was es zum Frühstück gibt, als der Zeitpunkt. Das perfekte Frühstück sollte Energie geben, lange satt machen, schnell zubereitet sein und auch gut schmecken. Gut geeignet sind Haferflocken, Vollkornbrot, Skyr, Quark, Eier, Hüttenkäse, Tofu, Nüsse und Lein- oder Chiasamen. Frisches Obst oder Gemüse bringt Vitamine und wertvolle Antioxidantien dazu – und einen leckeren Geschmack! Ausnahmen sollten weiße Brötchen mit Marmelade oder Nuss-Nougat-Creme sein. Gleiches gilt für gezuckerte Cerealien und Schoko-Pops. Diese Leckereien enthalten viel Fett und Zucker und damit sehr viele Kalorien. Zucker lässt dazu den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen und macht innerhalb kürzester Zeit wieder hungrig.
Wichtig:
Nachts verliert der Körper viel Wasser, was am Morgen ausgeglichen werden sollte. Am besten direkt nach dem Zähneputzen ein großes Glas stilles Wasser trinken. Kaffee (schwarz oder mit wenig Milch) sowie ungesüßter Tee passen gut zu einem gesunden Frühstück. Vorsicht bei beliebten Kaffee-Kreationen: Ein klassischer Latte macchiato (ca. 300 ml) enthält etwa 200 Kalorien und rund 7 g Fett, die man so nebenbei wegschlürft.
So frühstücken andere Länder
Südafrika In die erste Tasse Rooibos-Tee des Tages werden „Rusks“ getunkt. Das sind harte, kantige Kekse, die an Zwieback erinnern und oft mit Rosinen, Samen oder Nüssen verfeinert sind. Die hohe Kunst besteht darin, den Rusk exakt so lange einzutauchen, dass er danach schön weich auf der Zunge zergeht. Wer den Zeitpunkt allerdings verpasst, dem bricht der Rusk ab.
USA Kaffee wird in Nordamerika morgens als Erstes angesetzt. Dann werden Mixer und Herd angeschmissen, um einen großen Berg fluffiger Pfannkuchen zu backen. Die amerikanischen „Pancakes“ sind dicker und kleiner als ihre deutschen Verwandten und werden großzügig mit Ahornsirup begossen. Oft gibt es dazu noch Obst oder kross gebratenen Speck.
Japan Gäste aus Europa könnten fast meinen, dass sie zum Abendessen erschienen sind. Auf japanischen Frühstückstischen finden sich traditionell gedämpfter Reis, Fisch und warme Miso-Suppe. Dazu gibt es Tofu, Nori-Algen und eingelegtes Gemüse. Für den Koffein-Kick sorgt Grüner Tee.
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